Business Basics 1: Rücklagen für Einkommenssteuer verstehen

Praktische Hilfe vom Designer für Designer. Seit 2011 schreibt Christian Büning in der Fachzeitschrift PAGE für Designer über Unternehmerfragen. Foto: Pexels.com


 

Jacomo Y, 29:
Ich arbeite seit vier Jahren als selbstständiger Designer und meine Umsätze haben sich in der Zeit ganz gut entwickelt. Ich habe in dieser Zeit regelmäßig die Einkommenssteuer gezahlt. Jetzt fordert das Finanzamt auf einmal einen sehr großen Betrag von mir. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus der Einkommensteuer für das letzte Jahr und für dieses Jahr, ist also korrekt. Jedoch würde mir diese Summe gerade sehr weh tun und ich fürchte um meine weitere berufliche Existenz. Was soll ich tun?

Lieber Jacomo,
Ihr Problem ist leider nicht selten, denn viele Designer vergessen beim Berufsstart, dass Ihnen nicht alles Geld gehört, was Sie einnehmen. Als Selbstständiger verwaltet man einen Teil des Geldes nur und muss diesen Teil an das Finanzamt weitergeben. Die Forderung der Einkommenssteuer ist legitim, wie Sie sagen, jedoch in der Höhe unerwartet und für Sie existenzgefährdend. Diese hohe Forderung kommt durch die Umstellung eines rückwirkenden Zahlungsrhythmus in einen vorausschauenden. Diese Umstellung ist normal und erleichtert den Ämtern einiges an Buchungsaufwand. Wenn diese Umstellung jedoch mit steigenden Umsätzen zusammen fällt, können sich die Steuerforderungen sehr schnell im vier- oder fünfstelligen Bereich bewegen. Berufsanfänger haben dann meist noch keine ausreichenden Reserven, um diese Forderungen aus dem Stand bedienen zu können. Die fehlenden Rücklagen machen sich dann schmerzhaft bemerkbar.

Als akute Hilfsmaßnahme sollten Sie umgehend Kontakt zu Ihrem Finanzamt aufnehmen und eine Ratenzahlung vereinbaren. In der Regel sind die Behörden hier kulant, vor allem bei Berufsanfängern. Sie werden die Raten sicher verzinst zurückzahlen müssen, können dadurch aber finanziellen Spielraum gewinnen. Sie sind in der Regel auf die Kulanz eines Mitarbeiters angewiesen, daher sollten Sie mit guten Argumenten überzeugen können. Langfristig sollten Sie ab sofort von jedem erhaltenen Rechnungsbetrag etwa ein Viertel des Netto-Betrags auf ein separates (Unter-)Konto überweisen und liegen lassen.

Mein Tipp: Bitten Sie Ihre Bank darum, dieses Konto unsichtbar zu stellen. Geld, dass Sie nicht sehen, geben Sie auch nicht so schnell aus. Mit diesen Rückstellungen können Sie alle zukünftigen Steuerforderungen bedienen. Mein Tipp: Planen Sie Ihre Rückstellung ruhig etwas großzügiger, dann können Sie auch Software-Updates und defekte Technik oder Möbel davon bezahlen.


 

Business-Basics-Werkstoff-01Aus: Business Basics von Christian Büning
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