Business Basics 2: Arbeiten für lau?

Praktische Hilfe vom Designer für Designer. Seit 2011 schreibt Christian Büning in der Fachzeitschrift PAGE für Designer über Unternehmerfragen. Foto: Pexels.com


Mendi, 24:
Ich studiere Design auf Bachelor, bin bald fertig und ich will mich selbstständig machen. Neben dem Studium mache ich jetzt schon ab und an Aufträge, was halt so anfällt. Meist sind es Freunde oder Bekannte, für die ich Einladungen oder Hochzeitskarten mache. Weil es Freunde und Bekannte sind, habe ich nie viel Geld dafür genommen und manchmal denke ich schon, dass das so bald nicht weiter gehen kann. Wie kann ich denn für etwas Geld verlangen, was bisher immer günstig oder sogar umsonst war?

Liebe Mendi,
viele Designer haben genau wie Sie im Freundes- und Bekanntenkreis gezeigt, was sie können. Wie ein Musiker sammeln Sie erste Erfahrungen und Referenzen in einem kuscheligen und wohlmeinenden Umfeld. Sie überlegen nun, wie Ihre Gestaltung Ihren Lebensunterhalt finanzieren kann. Für die Lösung brauchen Sie eine Extra-Portion Fingerspitzengefühl, da Sie Ihren Freundeskreis behutsam, aber deutlich mit Ihrer neuen Kalkulationsweise konfrontieren müssen. Als Studentin hatten Sie deutlich reduzierte Lebenshaltungskosten und ihre eigentliche Hauptbeschäftigung war das Designstudium. Sie können Ihre bisher günstige Leistung daher als Freundschaftsdienst oder als Eigenwerbung mit Berufsanfänger-Bonus einstufen. Den Schutzraum Studium werden Sie bald verlassen.

Das heißt für Ihre Kalkulation, dass Sie zukünftig Risiken und Steuerforderungen absichern müssen und keine studentischen Vergünstigungen (z.B. bei der Kranken- oder Pflegeversicherung, BAföG, Unterstützung durch die Eltern) mehr in Anspruch nehmen können. Wenn Sie von Ihrer Gestaltung leben möchten, heißt das für Ihre Freunde und Bekannten zwangsläufig, dass Ihre Dienste keine Geschenke oder Fast-Geschenke mehr sein können. Kommunizieren Sie deutlich, dass Sie bald mit Ihrer Gestaltung Geld verdienen müssen und bezahlte Projekte dann Vorrang haben werden. Sie handeln nicht aus Bosheit so oder weil aus Ihnen ein eiskalter Kapitalist geworden ist, sondern weil Sie schlicht und einfach Ihre Miete zahlen müssen und eine Schwäche für Nahrungsmittel haben. Ihre Freunde und Bekannten werden dafür sicher Verständnis haben – oder Sie sollten einen Moment über Ihre Freundschaften nachdenken. Überlegen Sie sich auch, ob Ihre Energie in Projekten mit wenig öffentlicher Resonanz sinnvoll investiert ist. Musiker, die zu lange auf Hochzeiten gespielt haben, werden selten für die große Halle gebucht.


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